Tatort Reitstall: Das perfekte Wetter
Seien wir ehrlich: Das perfekte Wetter für Hallenreiter gibt es genau zwei Mal im Jahr – an dem Tag, an dem der Winter zögerlich in den Frühling übergeht und an dem Tag, an dem der Sommer zögerlich in den Herbst übergeht. Dann ist die Luft frisch und der Geist frei. An allen anderen Tagen ist es entweder zu kalt, zu feucht oder zu warm. Ganz zu schweigen von jenen Wochen in Juli und August, wenn die Reithalle sich in Luzifers Vorhölle verwandelt hat und man in seinen Reitstiefeln Suppe kochen könnte.
Nun beginnt also wieder die Zeit des Hyperventilierens, die schmerzhafte Phase der brennenden, tränenden Augen (Staub!), Momente der akuten Blindheit für Kontaktlinsenträger, Abende, an denen der Reithelm seinen Kosename „Wok“ verdient: Auf dem Schädel scheinen vulkanische Temperaturen zu herrschen, in denen ein Nasi Goreng binnen Sekunden gar werden könnte.
Doch echte Reiter jammern nicht. Sie quälen sich in ihre engen Hosen und noch engeren Stiefel, schaffen in der Mitte durch ein atmungsaktives Hemdchen Luftigkeit und krönen diesen Designer-Nachtmar mit einem schwarzen, dicken Helm - zumindest jene Reiter, die beim Reiten noch ans Fallen denken. Die Belüftungsschlitze der Helme können Sie übrigens getrost vergessen. Ab 20 Grad Außentemperatur sind sie so nützlich wie Handventilatoren in Bangladesch. Somit ist jeder sommerliche Reittag automatisch ein Bad Hair Day, und er ist zudem ein Tag, der uns an unsere physischen und psychischen Grenzen bringt. Die Reithalle wird zur Sauna, der „Fahrtwind“ im Trab und Galopp zum Hoffnungsanker, welcher jedoch nur von neuerlichen Schweißausbrüchen gefolgt wird. Und oh, wo man überall schwitzen kann – Nicht-Reiter werden es kaum für möglich halten! Selbst die teuerste Microfaser-Hightech-Klima-Reithose für knapp 200 Euro zeigt nach einer Stunde Dressur ein wenig charmantes Muster, das Laien vermuten ließe, man habe sich vor Angst in die Hosen gemacht.
Plötzlich kommt Sehnsucht nach dem Winter auf. Wirklich? Erinnern wir uns kurz: Taube Füße, ununterbrochen laufende Rotznasen, rheumatisches Knacken beim tapferen Versuch, trotz tiefgefrorener Gelenke elegant aufs Pferd zu steigen, explosionsartige Niessalven, Zossen, die ein so dickes Winterfell angelegt haben, dass sie feine Hilfen stur ignorieren, arthritische Finger, eisige Sättel (Cranberrysaft hilft übrigens gut gegen Blasenentzündungen, habe ich gelesen) - - und dazu ein Reitlehrer, der sich alle zehn Minuten lautstark an die Befreiung seiner verschleimten Nebenhöhlen macht. Denn er ist schließlich der wahre Leidtragende. Er muss bewegungslos in der Mitte des Tiefkühlschranks namens Reithalle verharren und hat vermutlich schon seit dem frühen Vormittag kein Gefühl mehr in den Beinen.
Freuen wir uns also daran, dass der Sommer noch nicht da ist und der Winter gerade erst vorbei. Vielleicht erleben wir ihn – den perfekten Tag.
Nun beginnt also wieder die Zeit des Hyperventilierens, die schmerzhafte Phase der brennenden, tränenden Augen (Staub!), Momente der akuten Blindheit für Kontaktlinsenträger, Abende, an denen der Reithelm seinen Kosename „Wok“ verdient: Auf dem Schädel scheinen vulkanische Temperaturen zu herrschen, in denen ein Nasi Goreng binnen Sekunden gar werden könnte.
Doch echte Reiter jammern nicht. Sie quälen sich in ihre engen Hosen und noch engeren Stiefel, schaffen in der Mitte durch ein atmungsaktives Hemdchen Luftigkeit und krönen diesen Designer-Nachtmar mit einem schwarzen, dicken Helm - zumindest jene Reiter, die beim Reiten noch ans Fallen denken. Die Belüftungsschlitze der Helme können Sie übrigens getrost vergessen. Ab 20 Grad Außentemperatur sind sie so nützlich wie Handventilatoren in Bangladesch. Somit ist jeder sommerliche Reittag automatisch ein Bad Hair Day, und er ist zudem ein Tag, der uns an unsere physischen und psychischen Grenzen bringt. Die Reithalle wird zur Sauna, der „Fahrtwind“ im Trab und Galopp zum Hoffnungsanker, welcher jedoch nur von neuerlichen Schweißausbrüchen gefolgt wird. Und oh, wo man überall schwitzen kann – Nicht-Reiter werden es kaum für möglich halten! Selbst die teuerste Microfaser-Hightech-Klima-Reithose für knapp 200 Euro zeigt nach einer Stunde Dressur ein wenig charmantes Muster, das Laien vermuten ließe, man habe sich vor Angst in die Hosen gemacht.
Plötzlich kommt Sehnsucht nach dem Winter auf. Wirklich? Erinnern wir uns kurz: Taube Füße, ununterbrochen laufende Rotznasen, rheumatisches Knacken beim tapferen Versuch, trotz tiefgefrorener Gelenke elegant aufs Pferd zu steigen, explosionsartige Niessalven, Zossen, die ein so dickes Winterfell angelegt haben, dass sie feine Hilfen stur ignorieren, arthritische Finger, eisige Sättel (Cranberrysaft hilft übrigens gut gegen Blasenentzündungen, habe ich gelesen) - - und dazu ein Reitlehrer, der sich alle zehn Minuten lautstark an die Befreiung seiner verschleimten Nebenhöhlen macht. Denn er ist schließlich der wahre Leidtragende. Er muss bewegungslos in der Mitte des Tiefkühlschranks namens Reithalle verharren und hat vermutlich schon seit dem frühen Vormittag kein Gefühl mehr in den Beinen.
Freuen wir uns also daran, dass der Sommer noch nicht da ist und der Winter gerade erst vorbei. Vielleicht erleben wir ihn – den perfekten Tag.
Bettina Belitz - 29. Apr, 10:53